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Olivier Adam

Leichtgewicht

Roman

SchirmerGraf, ISBN 3-86555-022-3, 159 Seiten, 18 €

 

Die Erzählerstimme ist gut vernehmbar und einprägsam. Eine bis zum Zynismus komprimierte Lakonie, hinter der sich Empfindsamkeit ahnen lässt.: „Das heutige Begräbnis war ein kleiner Junge, und das war unerträglich, ich habe mir in die Wangen gebissen bis es weh tat. Ich konnte meinen Blick nicht von seiner kleinen Schwester abwenden, sie war so blaß.“ Antoine jobbt bei einem Beerdigungsunternehmen: nicht gerade der ideale Job für jemanden, den die Trauer über den Verlust der eigenen Familie auffrißt. Abends steigt er in den Boxring, um sich für das nächste Match vorzubereiten, denn Chef, sein Trainer, ist der einzige, dem er noch etwas beweisen will. Bei jedem Schlag gegen den Sandsack sind sie wieder da, die Bilder von dem Haus im Süden, von den Steinen, der Sonne, den Platanen, dort, wo Antoine aufgewachsen ist, wo er mit seiner Schwester Claire Verstecken spielte, wo der Vater neapolitanische Lieder sang, wenn er von der Schicht nach Hause kam. Doch nun: Erde schaufeln, Tränen schlucken, Bier trinken, viel Bier, das Neonlicht glänzt in den Pfützen der Pariser Vorstadt, und Claire heiratet einen Mann, der so verdammt nett und anständig ist.... Nach dem letzten Match steigt Antoine in den Zug nach Süden. Er trifft dort ein Mädchen, das ähnlich rötliches Haar und eine sommersprossige Haut hat wie Claire ...

Klappentext
Tagsüber Totengräber, abends Boxer – Antoine, der Held des in Frankreich gefeierten und bereits verfilmten Romans von Olivier Adam, verleiht einer ganzen Generation die Stimme. Eine Stimme, die von der Einsamkeit der großen Städte erzählt und vom vagen Traum, sie zu überwinden.

Mich hat dieser Hemingway-Carver-Ton nicht erreicht. Die Kaltschnäuzigkeit will eine sentimentale Boxerseele tarnen? Das kann ich nicht glauben. Und dort, wo ich dem Erzähler folge, wird mir kalt. Die Story ist derart nebenbei erzählt, dass man den Eindruck hat, man könnte genausogut fernsehen oder spazieren gehen. Was ich dann auch gemacht habe.

Der Film „Poids léger“ von Jean-Pierre Améris wurde 2004 in Cannes vorgestellt. Weiß jemand, was aus ihm wurde?

Olivier Adam, geboren 1974 in einem Vorort von Paris, hat bisher drei Romane, drei Jugendbücher und den mit dem „Prix Goncourt de la nouvelle“ ausgezeichneten Erzählungsband „Passer l’hiver“ („Am Ende des Winters“, erschienen 2004 bei SchirmerGraf) veröffentlicht. Er war Herausgeber einer Reihe zeitgenössischer französischer Literatur und beendet gerade einen neuen großen Roman, der im Herbst 2005 in Frankreich erscheinen wird.

Michael Möller 2005

 



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